Standesämter der Emsländischen Landschaft

von Dr. Reinhard Cloppenburg

Die Zivilstandsregister, deren Führung den Standesämtern obliegt, wurden mit Erlass des Reichsgesetzes über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung vom 5. Februar 1875 im gesamten damaligen Deutschen Reich zum 1. Januar 1876 eingeführt. In Preußen sind diese Register bereits am 1. Oktober 1874 eingeführt worden, und damals gehörte das Emsland seit 1866 zur preußischen Provinz Hannover. Seitdem müssen Geburten und Sterbefälle bei dem Standesamt gemeldet werden, in dessen Gebiet dieses Ereignis eintritt. Das Standesamt der Wohnsitzgemeinde wird dann informiert, wenn Geburt oder Todesfall außerhalb des Wohnsitzes eintreten. Zivile Eheschließungen haben vor dem Standesbeamten des gewählten Standesamt zu erfolgen, auch in diesem Falle werden die Standesämter des Wohnsitzes informiert. Kirchliche Trauungen dürfen vom Pfarrer nur vorgenommen werden, wenn vorher eine Ziviltrauung stattgefunden hat. Diese ist durch eine Bescheinigung des Standesamtes nachzuweisen.

Vor 1876 bzw. vor dem 1. Oktober 1874 waren allein die Kirchen für die Führung der Geburts(Tauf-)bücher, der Heirats- und Sterbebücher zuständig. In der katholischen Kirche waren sie durch das tridentinische Konzil 1563 vorgeschrieben worden, durchgesetzt hat sich diese kirchliche Vorschrift in großer Breite erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Auch die protestantischen Kirchen regelten im Zuge von Kirchenordnungen die Führung von Personenstandsregistern.
In der Zeit der französischen Verwaltung wurden zunächst vom zuständigen Pfarrer, später vom Maire die Zivilstandsregister aufgrund des Code Napoleon geführt. Das gilt für die Zeit von etwa 1808 bis 1813, als nach dem Ende der französischen Verwaltung die provisorische Regierungskommission nicht auf der Führung dieser Zivilstandsregister bestand. Diese in der französischen Zeit geführten Personenstandsunterlagen lagern heute für unser Gebiet im Staatsarchiv Osnabrück im Bestand Rep 491, auch bei vielen Kirchengemeinden sind diese sehr ausführlichen Register erhalten geblieben. In unserem Nachbarland Holland sind die Zivilstandsregister nach Abzug der französischen Verwaltung weiter geführt worden und stehen den Genealogen nach einer begrenzten Sperrfrist in den niederländischen Reichsarchiven in Kopie zur Einsicht zur Verfügung. Die deutschen Zivilstandsregister sind leider nur den Berechtigten, das heißt nur bei der Forschung nach direkten Vorfahren, in der Weise zugänglich, dass über Personen gegen eine Gebühr Auskunft erteilt bzw. eine beglaubigte oder unbeglaubigte Urkunde ausgestellt wird.

Das zum 1.1.1958 eingeführte Familienbuch enthält Heirat, Kinder und deren Heiraten, Scheidung und Tod der Eheleute. Das Familienbuch verbleibt beim Standesamt des zuletzt überlebenden Ehegatten, bei Scheidung beim Wohnort des geschiedenen Ehemannes, ab 1.7.1998 beim Standesamt des Wohnortes vor der Scheidung.
Seit 2003 können sich auch gleichgeschlechtliche Partner in ein Lebenspartner-schaftsbuch beim Standesamt eintragen lassen.
Bei Einführung der Zivilstandsregister 1874 wurden Standesämter eingerichtet, die einer Kommune zugeordnet sind. Nicht jede Kommune bekam ein Standesamt, man richtete sich im hiesigem Raum im Wesentlichen an den Pfarreien aus, jede Gemeinde mit einem Pfarrsitz erhielt ein Standesamt, Papenburg, das zwei Pfarreien hatte, bekam sogar zwei Standesämter, Papenburg I und Papenburg II. Aber auch für diese Regel gab es Abweichungen. Gemeinden wie Altharen und Laxten, sie mögen für andere Gemeinden stehen, die keine Kirchengemeinde hatten, erhielten auch Standesämter. Auch die politischen Gemeinden von späteren Pfarrgemeindegründungen wie Lehe, Sustrum und Dersum wurden noch mit Standesämtern versorgt, aber das war schon keine Regel mehr. Auch Dörfer wie Lotten, Lage, Huden bekamen ihr Standesamt.

Im Zuge der Verwaltungsreform auf Gemeindeebene, die 1962 auf freiwilliger Basis mit dem Zusammenschluss zu Samtgemeinden einsetzte, wurden auch die Standesämter auf den Verwaltungssitz der Samtgemeinde konzentriert. 1974 wurde die Verwaltungsreform mit der Bildung von Einheits- und Samtgemeinden in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim abgeschlossen. Aus bisher 104 Standesämtern des Landkreises Emsland waren (Emslage, Twist, Lünne und Holte-Lastrup, die Folgestandesämter von früheren Zusammenschlüssen waren) 24 übrig geblieben (eine Besonderheit: die Gemeinde Surwold erhielt für die eigene Gemeinde 1983 ein eigenes Standesamt, also hat der Landkreis Emsland heute 25 Standesämter). Von diesen 104 waren drei, nämlich Gehlenberg, Neuvrees und Wachtum an den Nachbarlandkreis Cloppenburg gekommen. In der Grafschaft Bentheim blieben von ursprünglich 20 noch 6 Standesämter übrig, auch ein Hinweis darauf, dass in der Grafschaft der Gründungsboom von Standesämtern auf Grund neuer Kirchengemeinden oder der Ausstattung von bäuerlichen Gemeinden ohne Kirchen unterblieben war. 19 Standesämter waren schon 1874 entstanden, nur ein Standesamt, Schwartenpohl, war 1922 dazugekommen.

Aufgrund des Gesetzes zur Reform des Personenstandsrechts (Personenstandsrechtsreformgesetz – PStRG) vom 19. Februar 2007 sind Ehe- und Lebenspartnerschaftsregister 80 Jahre, Geburtenregister 110 Jahre und Sterberegister 30 Jahre beim zuständigen Standesamt aufzubewahren und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nach Ablauf der genannten Fristen sind die Personenstandsregister und die Sammelakten, welche Dokumente, die einzelne Beurkundungen in den Personenstandregistern betreffen, den zuständigen öffentlichen Archiven zur Übernahme anzubieten.
Im Landkreis Emsland sind alle Register der Standesämter, die bisher dem Zeitablauf unterliegen, im Kreisarchiv in Meppen, Herzog-Arenberg-Straße 9 (Tel. 05931 – 598 345), zusammengeführt worden und können nun vom Familienforscher gegen eine Benutzungsgebühr eingesehen werden. Im Landkreis Emsland besteht eine Ausnahme: Freie Register des heutigen Standesamtsbezirkes der Stadt Lingen werden im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 1 (Tel. 0591 – 91 67 111), vorgehalten. Von diesen Registern der Stadt Lingen besitzt das Kreisarchiv in Meppen die Zweitschriften.
Der Landkreis Grafschaft Bentheim besitzt noch kein eigenes Archiv. Die freien Register sind vom Forscher beim einzelnen Standesamt einzusehen. Nur die Stadt Nordhorn hat ein eigenes Archiv (Bahnhofstr. 24, Tel. 05921 – 878 396).

Kath.
Familienforschungsstelle
Meppen
Dörpen, Lathen, Nordhümmling, Papenburg, Rhede, Sögel, Werlte
Geeste, Haren, Haselünne, Herzlake, Meppen, Twist
Emsbüren, Freren, Lengerich, Lingen, Salzbergen, Spelle,
Landkreis Emsland
Bad Bentheim, Emlichheim, Neuenhaus, Nordhorn, Schüttorf, Uelsen, Wietmarschen
Friesoyte, Löningen, Surwold
Rathaus in Meppen
Rathaus in Lingen
Rathaus in Papenburg
Standesämter im
Altkreis Aschendorf Hümmling
Standesämter im Altkreis Meppen
Standesämter im Altkreis Lingen
Standesämter im Landkreis
Grafschaft Bentheim
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